Professor Dr. Hubert Wolf, Hochschullehrer für Mittlere und Neuere Kirchengeschichte an der Universität Münster, einer der renommiertesten Kirchenhistoriker des Landes und Priester, lockte mit seinem Vortrag mehr als 100 Interessierte in das Kath. Gemeindehaus nach Salach.

An historischen und aktuellen Beispielen konnte der Referent zeigen, dass die Aussage „Es war schon immer so“ dazu dient(e), Kirchenreformen die Vereinbarkeit mit Schrift und Tradition abzusprechen und sie damit für unmöglich zu erklären. Tiefgreifende Reformen seien immer Bestandteil der Geschichte, auch der Katholischen Kirche, gewesen. Beide Möglichkeiten von Reformen, der Rückgriff auf alternative Modelle, die früher praktiziert wurden, und neue kreative Antworten gab es immer schon, und ihre Kenntnis könnte heute für die Debatte um Reformen in der Kirche genützt werden.

Zum Beispiel gab es über viele Jahrhunderte ganz selbstverständlich weibliche Diakone, mächtige Äbtissinnen, die wie ihre männlichen Bischofskollegen ihre Diözesen geleitet haben, und verheiratete neben zölibatär lebenden Priestern.

Die Veränderlichkeit der Lehre, bis hin zur völligen Kehrtwende, erläuterte er zum Beispiel an kirchlichen Dokumenten zu den Menschenrechten. Deren Grundwerte lehnte die Kirche zunächst ab, vereinnahmte diese aber später als Errungenschaft der christlichen Lehre.

Prof. Wolf hat auch deutlich gemacht, dass Vielfältigkeit und Dynamik die Einheit der Kirche in der Kirchengeschichte nicht gestört haben.