Am 2. Dezember ist Gebhard Fürst mit Vollendung des 75. Lebensjahres als Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart zurückgetreten und darf nach mehr als 23 Jahren im Amt seinen Ruhestand genießen. Viele Gläubige stellen sich nun die Frage, wer eigentlich bestimmt, welcher Bischof in Zukunft die Diözese leiten wird. Haben die Priester und/oder die Laien ein Mitbestimmungsrecht? Ernennt allein der Papst den neuen Bischof?

Viele offene Fragen also, auf die sich die circa 30 Zuhörerinnen und Zuhörer am 29. November 2023 in Salach vom Referenten des Abends, Offizial Thomas Weißhaar, Antworten erhofften. Domkapitular Weißhaar erklärte sehr anschaulich und lebendig die komplexen Schritte, die zur Wahl eines neuen Bischofs erforderlich sind.

Für Rottenburg-Stuttgart regelt das 1932 geschlossene „Badische Konkordat“ die Vorgehensweise für eine Bischofswahl. Dieses Abkommen erlaubt dem Domkapitel, eine Liste geeigneter Kandidaten nach Rom zu senden.

Der leere Bischofsstuhl im Rottenburger Dom

Nach dem Freiwerden des bischöflichen Stuhles, der sogenannten „Sedisvakanz“ beginnt eine Reihe von kirchenrechtlich vorgesehenen Maßnahmen, die das weitere Funktionieren der Diözese sichern:

  • Unter anderem findet eine Versammlung des Domkapitels statt, das die oben genannte Liste erstellt. Das Domkapitel in Rottenburg-Stuttgart besteht aus 11 Mitgliedern, zu denen auch der Vortragende gehört.
  • Diese Liste, deren Namen streng geheim sind, wird an den päpstlichen Nuntius gesandt, der Erkundigungen über die Kandidaten einholt.
  • Erst dann wird die Liste zusammen mit den Einschätzungen des Nuntius an den Papst gesandt. Der Papst prüft nun diese Liste und schickt einen Vorschlag mit 3 Kandidaten an die Diözese zurück. Diese drei Anwärter müssen nicht unbedingt auf der Vorschlagsliste gestanden haben. Allerdings schreibt das „Badische Konkordat“ vor, dass mindestens einer der drei Kandidaten aus der Diözese Rottenburg-Stuttgart kommen oder lange dort gearbeitet haben muss.
  • Aus dem Dreiervorschlag wählt das Domkapitel den neuen Bischof.
  • Erst wenn die Landesregierung keine Bedenken hat, erfolgt die Ernennung durch den Papst. Falls kein Anwärter dieser Dreier-Liste die erforderliche Mehrheit der Stimmen erhält, erlischt das Wahlrecht des Domkapitels und der Papst allein kann den neuen Bischof nach seinem Gutdünken ernennen.

Im Rahmen des „Synodalen Weges“ wurden einige Vorschläge entwickelt, die eine Beteiligung von Laien an der Bischofswahl ermöglichen sollen. Diese wurden größtenteils nicht weiterverfolgt, da der Vatikan diesen mit Berufung auf das „päpstliche Geheimnis“ schnell eine Absage erteilte.
Die Diözese Rottenburg-Stuttgart hat jedoch beschlossen, die Mitglieder des Diözesanrats an der Erstellung der Liste zu beteiligen. Dazu wird es im Januar 2024 einen geistlichen Tag unter dem Titel „Der Bischof in der katholischen Kirche – Bischof in der Diözese Rottenburg-Stuttgart in der heutigen Zeit“ geben. Alle stimmberechtigten Mitglieder des Diözesanrats können im Anschluss dem Domkapitel Vorschläge geeigneter Kandidaten für die Liste benennen.
So werden in unserer Diözese Laien in die Bestellung des Bischofs einbezogen, ohne rechtliche Bestimmungen zu verletzen. Die eigentliche Bischofswahl führt allerdings das Domkapitel alleine in freier und geheimer Wahl auf Grundlage der Päpstlichen Dreierliste.

Erfahrungsgemäß wird es noch eine Weile dauern, bis wir erfahren, wer der neue Bischof von Rottenburg-Stuttgart wird. Spannend bleibt auch, welche Anregungen des „Synodalen Wegs“ dieser Nachfolger umsetzen wird und welche Kirchenreformen zu erwarten sind.

Die Veranstaltung fand im Rahmen der „Salacher Reihe zur Kirchenreform“ statt. Der nächste Termin ist übrigens am 20. März 2023 zu dem Thema „Es war halt (nicht) schon immer so – Kirchenreform aus historischer Perspektive„.